Walcker Orgel

Die Orgel der Christuskirche

Eine romantische Perle in der westfälischen Orgellandschaft

Mit dem Bau der Christuskirche in Lüdenscheid im Jahr 1902 entstand auch die romantische Walcker-Orgel. Sie zählt zu den wenigen großen erhaltenen Instrumenten dieser Orgelfirma in Nordrhein-Westfalen.
Die Orgel der Christuskirche ist ein Zeugnis der orchestralen Ausrichtung damaliger Orgelbaukunst gepaart mit der zeitgemäßen innovativen Technik der pneumatischen Steuerung.
Nach dem 2.Weltkrieg war eine Renovierung dringend erforderlich.
Das Dach der Christuskirche war durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt, und die Orgel war längere Zeit schutzlos der Witterung ausgesetzt gewesen. Die Orgel konnte erst nach Renovierung  am 31. Oktober 1948 wieder in Dienst genommen werden.
Neun Jahre später, im Jahr 1957, erfolgte aufgrund der nun besseren wirtschaftlichen Lage eine gründliche Renovierung durch die Orgelbaufirma Bernhard Koch aus Wuppertal. Die reine Pneumatik wurde zu einer Kombination aus elektrischer und pneumatischer Ton- und Registersteuerung umgerüstet, die Disposition im Sinne der aktuellen Orgelbewegung mit neobarocken Klangfarben umgestaltet. Die romantischen Farbregister wurden gegen vermeintlich barocke getauscht oder verändert und der Winddruck wurde gesenkt, welches die Spieltraktur noch zögerlicher reagieren ließ.

Ein langer Weg zur Restaurierung


80.000 Euro stellte das Presbyterium in einer gesonderten Rücklage für die Restaurierung der Orgel zur Verfügung. Doch nach Sichtung der Angebote verschiedener Orgelbaufirmen sowie Rücksprache mit Sachverständigen und dem Denkmalschutzamt war klar: Das reicht nicht, zumal wichtige Teile der Orgel (Prospekt, Spieltischgehäuse, Kegelladen und Pfeifenwerk) zweifelsfrei Denkmalqualitäten aufweisen und unbedingt zu erhalten sind. Das günstigste und zugleich präziseste Angebot der Firma Gebr. Stockmann Orgelbau belief sich auf 275.000 Euro. Aus Eigenmitteln, auch nicht mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse, konnte diese Summe nicht aufgebracht werden. Es wurde ein Finanzierungskonzept erarbeitet, welches sich als dritte Säule auf Spenden stützt. Zahlreiche Firmen und Institutionen, aber auch viele Einzelspender, wurden angesprochen. Dabei setzte wir unser Vertrauen auf Gott und beteten: „Herr, deine Wunder lass uns sehen; mit weniger kommen wir nicht aus!“ (nach Paul Humburg). Ende 2006 beschloss das Presbyterium, den Auftrag für einen ersten Teil der Restaurierung im Umfang von 150.000 Euro zu vergeben, obgleich zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte der benötigten Finanzen vorhanden waren. Der zweite Teil wurde im Dezember 2007 beauftragt. Mittlerweile waren aber die Gesamtkosten durch Teuerung und die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf über 290.000 Euro angestiegen. Dennoch: Wir wurden nicht alleine gelassen. Zahlreiche Einzelspenden (im hohen Umfang auch von Privatpersonen) sowie die Aktion „Aus 2 mach 3“ der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, welche Privatspenden um einen 50% Zuschuss aufstockte, Patenschaften für Orgelpfeifen, verschiedene Gemeindeaktionen und Orgelkonzerte (im August 2006 gab Felix Hell ein umjubeltes Orgel-Benefizkonzert) ließen das erhoffte Wunder wahr werden: Die Orgel ist finanziert!

Restaurierung der Walcker-Orgel


Die Entscheidungsträger von Kirchengemeinde, Landeskirche und der Firma Gebr. Stockmann Orgelbau kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass eine vollständige klangliche Wiederherstellung der originalen Disposition ein wesentlicher Aspekt einer gelungenen Restaurierungsmaßnahme darstellt. Aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen, die eine Wiederherstellung der pneumatischen Steuerung nicht zuließen, entstand ein Gesamtkonzept mit einem hochmodernen Spieltisch.
Im Einzelnen wurden folgende Punkte in Angriff genommen: die Restaurierung des Orgelgehäuses, der Windladen,  die Restaurierung der Windanlage, der Austausch sämtlicher pneumatischen Bauteile, die Restaurierung des Pfeifenwerks, die Rekonstruktion der 1957 verlorengegangenen Register unter Verwendung von Mensuren und Bauformen der Erbauerfirma, die Rekonstruktion des Spieltischdesigns unter Einbindung der elektronischen Komponenten in die technische Anlage, die Modernisierung der elektrischen Ton- und Registersteuerung. Weitere Informationen zur Restaurierung und technische Details zur Orgel finden Sie auch in unserer Festschrift anlässlich der Wiederinbetriebnahme unserer Orgel am 14. Dezember 2008.

Im Januar 2021 wurde nun der Spieltisch durch die Orgelbaufirma Baumhoert neu stilgerecht positioniert, sodass Musizieren mit Solisten und Ensembles nun hervorragend möglich ist,
Bildnachweis
Foto von Lothar Borchert

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